
Martina Langenbucher
Für das Rendezvous mit Martina Langenbucher hat sich die opernwerkstatt außer Sichtweite von Schloss Hellenstein begeben, genauer gesagt in den acht Kilometer entfernten Ort Steinheim am Albuch. Das hat einen guten Grund. Die Sopranistin wurde nämlich in Steinheim geboren – dort, wo übrigens auch das Elternhaus von Festspielleiter Marcus Bosch steht. „Wir kennen uns vom Schulbus“, bekennt Martina Langenbucher. „Aber wir sind auf getrennte Gymnasien gegangen. So wirklich gekannt haben wir uns deshalb in dieser Zeit noch nicht.“
Das wird nun auf professioneller Ebene nachgeholt: „Ich kann Marcus jetzt als einen tollen Dirigenten kennen lernen!“ Über ihren Agenten hat Martina Langenbucher vor über einem Jahr bei den Heidenheimer Opernfestspielen angefragt, ob die Rolle der Leonore zu haben sei. Sie sei schon besetzt, hieß es. Ob sie aber interessiert sein, als Cover einzusteigen? Sie war interessiert und das Engagement kam zustande.
Welche Aufgaben hat ein Cover?
„Als Cover bezeichnet man die zweite Besetzung einer Rolle. Ich muss alles mitstudieren, -lernen und -proben, die ganze Inszenierung intus haben.“ Sollte die erste Besetzung ausfallen, bekommt das Cover seinen Einsatz und muss einen rundum gleichwertigen Ersatz bieten. „Für mich ist das eine tolle Investition, da ich diese Rolle dann im Repertoire habe – nicht nur im Zimmer studiert, sondern wirklich auf der Bühne gespielt und gesungen. Auch bei den Proben bin ich immer dabei. In Zukunft kann ich sagen: Fidelio hab ich drauf. Ob ich dann wirklich in Heidenheim eine Vorstellung singe oder nicht, ist erstmal nicht vorrangig.
Sie hat es drauf …
… und nicht nur die Leonore: Martina Langenbucher hat in Stuttgart Musik und Gesang studiert, war auf der Opernschule und danach vier Jahre freischaffend als Solistin tätig. „Eigentlich zu jung für das dramatische Fach“, wurde ihr damals gesagt. Also hat sie im Stuttgarter Chor gesungen und dazu unterrichtet. „Ein toller Chor, ein tolles Theater“ sagt sie. Nebenher war sie auch solistisch aktiv, hat das Verdi-Requiem gesungen, Matthäus- und Johannespassion, das Weihnachtsoratorium, das Mozart-Requiem und den Elias. „Lauter schöne Sachen.“ Aber nun soll es einen Schritt weiter gehen in Richtung Solistenkarriere.
Als Einheimische ist ihr natürlich die Heidenheimer Kulturszene vertraut. Das Publikum bezeichnet sie als „sehr neugierig und aufgeschlossen.“ Weshalb es ihr Spaß macht, immer wieder mal hier aufzutreten. So hat sie im letzten Jahr bei den „Heidenheimer Jahreszeiten“ mitgewirkt – ein zeitgenössisches Stück, an dem vier verschiedene Komponisten mitgeschrieben haben.
„Es wird viel gelacht“
Bei den Opernfestspielen in Heidenheim ist Martina Langenbucher auf ein hervorragendes Team getroffen: „Alles sehr harmonisch“, sagt sie. Auf die Frage, ob sich in Heidenheim schon eine Künstlerkneipe herauskristallisiert habe, antwortet sie: „ Man sitzt schon mal abends zusammen.“ Allerdings muss am nächsten Tag wieder gesungen werden. „So richtig Halligalli ist wahrscheinlich erst zur Premierenfeier angesagt.“
Alle Energie wird zur Zeit für die Proben benötigt: „Der Regisseur Hermann Schneider ist ein positives Energiebündel.“ Er hat klare Vorstellungen und man hat das Gefühl, er habe in seinem Kopf schon alles parat. Trotzdem ist er auf seine Vorstellungen nicht so fixiert, dass es, ohne es gemeinsam ausprobiert zu haben, heißt, dass muss jetzt so sein. Was bedeutet, dass zu Probenbeginn ein klares Konzept da ist. Auch deshalb ist es hier eine sehr angenehme Arbeit.“
Auf der Bühne: lauter Beziehungsgeschichten
Auch von der Inszenierung selbst ist Martina Langenbucher überzeugt: „Es gibt Regisseure, die vom Stück wenig übrig lassen. Hermann Schneider bleibt nah an der Geschichte, arbeitet die einzelnen Charaktere klar heraus und zeigt, wie sie miteinander verstrickt sind. Die Personenführung finde ich wirklich sehr gut. Ich habe das Gefühl persönlich durch diese Zusammenarbeit sehr zu profitieren! Gerade nach meinen Chorjahren jemanden zu haben, der einem wahnsinnig viel Stoff geben kann, viel weiß, zur Geschichte, um die Geschichte, zur inneren Arbeit, zur Rollenfindung/Empfindung und dann Darstellung.”
Im Fidelio geht es um Freiheit. Ist Martina Langenbucher selbst schon einmal befreit worden oder hat jemanden befreit?
„Ja, meine Katze. Ansonsten befreit man sich doch ständig selbst von irgendwelchen Barrieren, die einem von sich selbst oder von anderen in den Weg gelegt werden. Psychologisch gesehen habe ich mich schon von vielem befreit.“
Schlagwörter: beethoven, chor, cover, fidelio, heidenheim, heidenheimer jahreszeiten, helden am herd, hermann schneider, leonore, marcus bosch, martina langenbucher, opernfestspiele, staatsoper stuttgart, steinheim am albuch

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Hallo Martina,
Glückwunsch zu deinem Auftritt bei der Generalprobe der Opernfestspiele letzte Woche. Ich hatte nicht den Eindruck, dass du ein “Cover” bist, toller Auftritt, wunderbare Stimme. Ein gelungener Abend.
Viele Grüße von deinem ehemaligen Nachbarn aus Steinheim.
Oliver Frank