claim

Karl-Friedrich Dürr

Zwei Amtszeiten lang dauert der Heidenheimer Fidelio, jedenfalls aus der Sicht des Ministers Don Fernando. Zwei Amtszeiten deshalb, weil sich in der Heidenheimer Inszenierung zwei Sänger diese Rolle teilen, Karl-Friedrich Dürr und Urs Markus. Ersterer hat wie geplant nach der dritten Aufführung die Staatsgeschäfte an seinen Nachfolger übergeben. Höchste Zeit, das Regierungskabinett auf dem Schlossberg vorzustellen.

Karl Friedrich Dürr ist fast schon ein Heidenheimer Festspielveteran: 2006 Sprecher in der Zauberflöte, 2008 Kuno im Freischütz, 2009 der Vater im Vampyr, letztes Jahr der Mesner in Tosca, dieses Jahr der Minister. „Den hat mir der Herr Bosch angeboten, was ich sehr schön fand: Den Minister habe ich in Stuttgart noch nicht gemacht“, erzählt Dürr.

Stichwort Stuttgart

… dort hat Dürr gerade seine 31. Spielzeit abgeschlossen: Das Staatstheater hatte ihn einst aus einer Stelle als Gymnasiallehrer herausengagiert. Bis heute ist er dem Haus treu geblieben.

Ja, es stimmt: Obwohl die Musik immer schon Teil seines Lebens gewesen ist, hat Karl-Friedrich Dürr seine berufliche Laufbahn als Schulpädagoge begonnen. Er selbst war noch Gymnasiast, als er am Staatstheater bei einer Aufführung des Wilhelm Tell mitgewirkt hatte.

„Wenn wir Probe hatten, war ich nicht mehr in der Schule anzutreffen.“

Etwas problematisch, wenn man kurz vor dem Abitur steht, aber ein respektabler erster Schritt in Richtung Bühnenkarriere. Trotzdem: Lehrer sollte es sein, vorerst jedenfalls. Der Gesangsunterricht an der Stuttgarter Musikhochschule lief nur so nebenher. Aber Wolfgang Gönnenwein, der damals als Rektor wirkte, wollte den begabten Dürr ganz für sich haben: „Sie sind morgens Lehrer und ab 14 Uhr studieren Sie an der Musikhochschule“. So geht das, wenn Talente entdeckt werden.

Heute hat Karl-Friedrich Dürr alles gesungen, was sein Stimmfach Bassbariton hergibt. Besonders stolz ist er auf den Figaro mit Peter Zadek, seine 15 Spielzeiten als Leporello im Don Giovanni, die 18 Spielzeiten als Alphonso in Così fan tutte. Dazwischen immer wieder Wagner – Biterolf, Kurwendal, Klingsor – und Strauss, etwa als Faninal in den Rosenkavalieren unter Götz Friedrich und Stefan Herheim.

„Ach Sie sind der Verursacher!“

Mit Heidenheim hat es erst 2006 geklappt. Die zahlreichen Engagements in Stuttgart und anderswo ließen es nicht früher zu. Obwohl sich der erste Kontakt schon 1985 angebahnt hatte: Dürrs Gattin sollte damals die Leonora im Troubadour singen. Dann war plötzlich Nachwuchs unterwegs und erstmal nichts mehr mit Verdi. Statt dessen ein Anruf aus Heidenheim: „Ich ging damals ans Telefon und es hieß: „Ach Sie sind der Verursacher!“ Es folgte ein nettes Gespräch – seitdem bekam Dürr bekam immer wieder Angebote aus Richtung Schlossberg, die er leider ausschlagen musste. Bis die Zeit endlich reif war.

„Die Atmosphäre in Heidenheim ist sehr locker und freundschaftlich – angefangen bei der Ingeborg, die immer Kaffee und Kuchen macht, bis hin zu meinen Sängerkollegen“

Und natürlich Marcus Bosch: „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ beschreibt Karl-Friedrich Dürr den Geist, der seit letztem Jahr am Schlossberg eingezogen ist, „und der Marcus Bosch hat schon gezaubert.“

Im Fidelio singt Dürr eine verhältnismäßig, kleine Rolle, aber eine entscheidende: Als Don Fernando hat er das letzte Wort, aber das wird ihm in der Inszenierung von Hermann Schneider in Form einer Petition vom Chor aufgezwungen: Sein Minister sei „ein Wendehals, der wie Erich Mielke am Ende kommt und sagt: Ich liebe euch doch alle.“

Als ein solcher muss er in Heidenheim auf den roten Container klettern und von oben herab singen. “Der Container war insofern eine Hilfe: Die Angst des Ministers vor dem Volk konnte ich ohne Mühe darstellen. Aber ich kam auch immer wieder runter.”

Fidelio ist eine Freiheitsoper. Was bedeutet der Begriff Freiheit für Karl-Friedrich Dürr?

Als Lehrer habe ich versucht, meine Schüler von Ängsten und Zwängen zu befreien, von diesem frühen Entscheidungsdruck, der ihnen auferlegt wird. Man sollte sich viele Möglichkeiten offenhalten und den Mut zur freien Entscheidung behalten.


Bookmark and share:

[Ask] [BlogBookmark] [Bloglines] [BlogMarks] [Blogsvine] [BuddyMarks] [del.icio.us] [Digg] [DropJack] [Fark] [Faves] [Friendsite] [folkd.com] [Furl] [Google] [LinkedIn] [Ma.gnolia] [Mister Wong] [Mixx] [MySpace] [PlugIM] [Reddit] [Technorati] [Webride] [Yahoo!]
Schlagwörter: , , , , , , , , ,
Noch kein Kommentar zu diesem Thema
Hinterlassen Sie einen Kommentar

*