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Der Baseler Pianist und Dozent Marcus Schneider.

Während die Technik schuftet, die Terminplanung einen dichten Terminkalender mit Bühnen-Orchester-Proben, Klavier-Hauptprobe und Hauptproben vorsieht, wächst auch die Spannung bei den Besuchern. Wie wird die diesjährige Aufführung von “Carmen” bei den Heidenheimer Opernfestspielen?

Marcus Schneider weiß es nicht. Der Baseler Pianist und Dozent ist erneut gern nach Heidenheim gekommen, um eine überraschend große und interessierte Zuhörerschar in der Musikschule in die Oper einzuführen, Geschichten von der Zeit zu erzählen, ein wenig von Georges Bizet, dem Komponisten einer der meistgespielten Opernwerke.

Und berichtet gleich zu Beginn Interessantes: “Bizet hatte selbst nicht den Eindruck, einen Bestseller geschrieben zu haben”, so Schneider. Ohnehin habe es eine lange Probezeit gegeben; und schließlich seien auf Wunsch der Sängerinnen und Sänger viele Stücke hinzu geschrieben worden. “Die”, so Schneider, “sind heute die wirklichen Beststeller: Die “Habanera” und der “Torreador”". Bizet selbst wollte dieses Folklorit eigentlich gar nicht, ließ sich aber erweichen. Sein Ziel war es, mit ordentlichem Handwerk die Bühne bedienen zu können.

Die Oper “Carmen” erzählt die Geschichte einer Novelle von Prosper Mérimée, der sie selbst einst über Umwege gehört hatte, später dann niederschrieb. Die Geschichte einer tödlichen Verfallenheit, der Schicksalstrunkenheit, der Leidenschaft. Mit dem Libretto von Henri Meilhac und Ludovic Halévy gelang Bizet ein ordentliches Stück, zusammengewebt aus teilweise schon bekannten Fragmenten früherer Kompositionen. “Und das war zu dieser Zeit nicht ehrenrührig”, betont der Dozent Marcus Schneider.

Die Uraufführung am 3. März 1875 wird nicht gleich der Renner; und genau drei Monate später stirbt Georges Bizet. Immerhin wird seine Oper schon zum 33. Mal aufgeführt, für die damalige Zeit der Durchbruch. Der von Richard Wagner entnervte Philosoph Friedrich Nietzsche lobt die “Leichtigkeit” der Oper, auch Thomas Mann widmet dem lebendigen Stück ein kleines Kapitel im “Zauberberg”. Bizet selbst, so berichtet Marcus Schneider, war stolz auf das Quintett im 3. Akt.

Schneider selbst findet noch etwas sehr stark in diesem Werk: “Es wird nicht mit einer zehnminütigen Arie gestorben, das gelingt Bizet ganz schnell und dicht”. Die Themen der Oper sind es auch: Die Freiheit und das Prinzip der Pflicht, die dagegen stehen kann. “Nicht nur eine Oper, sondern ein sehr, sehr starkes Drama”.

Viele Gründe mehr, sich die Aufführung in Heidenheim in diesem Jahr anzusehen.

cdv!

 


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