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Die Prozedur in der Maske beginnt.

Wenn Holger Wessinger in die Maske kommt, dauert es dann einige Zeit. Der Tenor der Stuttgarter Choristen setzt sich, schließt die Augen, und schaut nur ab und zu in den Spiegel. Was am Ende heraus kommt, ist mit dem 40jährigen Mann, der er sonst ist, nicht mehr zu vergleichen: Holger ist ab diesem Moment ein Transvestit.

Viele Wochen haben er und seine Mit-Sängerinnen und -Sänger geprobt für die Aufführungen der “Carmen” bei den Heidenheimer Opernfestspielen. Was auf ihn zukam, hat ihn selbst überrascht.

Gestaunt habe er schon, als Regisseur Joachim Rathke in einer der ersten Produktionsbesprechungen mit dem Chor allen Sängern eine Rolle gegeben habe. “Aber das war auch gleich sehr spannend”, berichtet er. Gemeinsam mit Rathke habe er dann weiterhin an der Rolle gefeilt. Holger Wessinger ist Maskenbildner auf dem Film-Set. Und eben stark überzeichnet.

Aus Holger wird eine Frau.

Am Ende kommt Wessinger im Glitzerlook daher, trägt eine blonde Perücke, ist stark geschminkt. Und läuft auf High-Heels, die Absätze sind 12 Zentimeter lang. “Und mir schmerzen die Füße nach der Vorstellung”, erzählt er, auch wenn er es gern auf sich nimmt. “Denn”, so sagt er auch”, die überzeichneten Rollen liegen mir”.  Was er schon oft unter Beweis gestellt hat, als Rocker, oder auch als Trottel.

Angefangen hat es im Schulchor, später sang er im Theaterchor der Pforzheimer Bühne, nun schon seit mehr als acht Jahren auch noch mit den Stuttgarter Choristen. “Semi-professionell”, sagt er selbst. Und nimmt, wie alle anderen Chorsänger lange Wege auf sich.

Mit ganz langen Wimpern.

Holger Wessinger ist seit gut zehn Jahren selbstständig, er betreibt ein Männermode-Geschäft in Baiersbronn im Schwarzwald. Wenn es zur Vorstellung nach Heidenheim geht, macht er sich kurz nach dem Mittag auf den Weg, sammelt Sänger in Pforzheim ein und fährt Richtung Ostalb. Maske, Einsingen, Vorstellung, Abschminken, und wieder auf den Weg.

Fast fertig. Es fehlt noch das Kostüm.

“Zurück sind wir dann meist erst wieder gegen 2 Uhr in der Nacht”, erzählt er. Und um 6 Uhr geht es wieder raus. “Carmen” hatte er schon in Pforzheim gesungen, als schließlich die Choristen mit der Einstudierung begannen. Und nach den Vorstellungen in Heidenheim? Ein Angebot hat er abgelehnt, um wieder Zeit für die Partnerschaft zu haben. “Was dann im Winter noch kommt, weiß ich noch nicht”.

Holger Wessinger, hier zusammen mit "Carmen" (Helen Lepalaan)

cdv!


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